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The Art of the Muscle: "Die Kunst des Muskelspiels: Miles Davis als amerikanischer Ritter und amerikanischer Schurke", in Gerald Early (Hg) "Miles Davis and American Culture", Missouri Historical Society Press, 2001. ISBN 1-883982-38-3 Auszüge aus seinem Text, danach Auszüge aus einem Interview (09/2001) Miles Davis erfüllt drei notwendige Bedingungen, um als Genie gelten zu können: Er war opportunistisch. Er hatte keine Angst vor Talenten, selbst dann wenn sie ihm selbst in einem bestimmten Bereich überlegen waren. Und er war der tiefen Überzeugung, dass alles, was er anpackt, letztlich auch gelingt. Mehr noch: Davis kannte sehr genau seine Grenzen: er schrieb zwar Musik, aber er war kein Komponist in der Art eines Ellington oder Mingus oder Monk. Er war kein Arrangeur von der Statur eines Gil Evans oder Billy Strayhorn oder Quincy Jones oder Gerald Wilson. Er war kein Produzent vom Schlage eines Quincy Jones oder Teo Macero. Im Gegenteil, er ging eher sorglos mit seiner Musik um und brauchte einen Produzenten so sehr wie ein Tom Wolfe einen Lektor. Er hatte kein Händchen fürs Geschäft, obwohl über viele Jahre Bands geleitet hat. Er hat Talente entdeckt, aber sie nicht so kultiviert wie Stan Kenton. Wäre er stärker materiell geleitet gewesen, hätte er viel mehr Geld verdienen können. Seine grösste Gabe war, dass er sich weder vor seinem Publikum noch vor sich selbst fürchtete. Davis sah sich als Aussenseiter: ein Drogensüchtiger, ein Zuhälter, ein Jazzer, ein Boxer. Er hat sich viele der furchterregenden Gesten angeeignet, mit denen der schwarze Mann gegen die weisse männliche Autorität in den Vereinigten Staaten rebelliert. In dieser Hinsicht müssen wir alles über Davis als Kunstgriff und als maskuline Stilisierung verstehen.
10 Jahre nach dem Tod von Miles Davis
Miles Davis, die Karriere Miles und ich Ich habe Miles Davis zwar dreimal live erlebt, bin ihm aber nie persönlich begegnet. Als Jugendlicher habe ich ihn sehr geliebt. Nicht nur, dass ich seine Musik mochte, sondern auch seine Haltung. Als junger Schwarzer hat mich insbesondere beeindruckt, dass er so bestimmt auftrat und so stolz war. Wie soll ich sagen? Er war für mich ein Rollenmodell, ein Vorbild. Was immer ich vorhatte im Leben...ich wollte, dass ich darin so gut würde wie er mit seiner Musik. Er war für mich ein Held. Er schien mir keine Angst vor Fehlern zu haben. Es ist für einen Jugendlichen ausserordentlich wichtig, zu einem Künstler aufschauen zu können, der nicht die Kritik seiner Kollegen fürchtet, weil er etwas Neues macht, der keine Angst hat zu versagen. Das macht für mich den bedeutenden Künstler aus. Er hatte eine Persönlichkeit, die aus der Ferne bewundern konnte, die ich aber nicht aus nächster Nähe erleben wollte. Da gab es Aspekte, die ich nicht mag, die mir unangenehm sind. Als öffentliche Figur und als Künstler war er ausserordentlich wichtig, aber wahrscheinlich hätte ich mich nicht mit ihm zum Essen verabredet. In seinen Augen wäre ich vielzu sehr ein Spiesser gewesen. © Michael Rüsenberg, 2001, Nachdruck verboten
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