Irjenswie hatte es die Jazzpolizei geahnt, beim Moers Festival 2008, beim Solo-Auftritt von John Zorn, as. Ein ästhetisches Nichts von 30 Minuten Dauer, eine Selbstüberschätzung, wie man sie so deutlich äußerst selten erleben kann. Wie gesagt, der Verdacht war da, aber er trat denn doch nicht den langen Weg an von den Hirnwindungen zu den Lippen: ob der Mann sich vorbereitet hat? Ob er (noch) probt? Heute, nach einem Interview mit dem San Francisco Chronicle, sind wir schlauer: "Ich habe auf dem Saxophon seit 1980 nicht mehr geübt. Nicht eine Note. Ich hab´s zu Hause nicht mehr angefasst. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen." Klingt wie die finale Ansage eines Kotzbrockens (als welcher sich Zorn im Verlauf des Gespräches mit Lee Hildebrand auch erweist.) Aber, trifft sie zu; ist sie überhaupt plausibel? Geht man Zorns Discographie durch, dann müsste alles, was wir von ihm kennen - und schätzen, u.a. "News for Lulu" (mit George Lewis!, Bill Frisell!), alle Masada-Aufnahmen, aus dem Stand des Ungeprobtseins entstanden sein. Denn nach 1980 ist er überhaupt erst an die Öffentlichkeit getreten. Auch seine Relativierung im Gespräch mit dem SFC, er probe heutzutage am Tage eines Konzertes und beim Soundcheck, erscheint weitaus weniger glaubwürdig als eine - alte - Aussage von Wayne Horvitz: wenn John Zorn übe, dann Bebop. Vor Moers 2008 hat er das ganz sicher nicht getan.
Während ihr neuer Lebensgefährte, Carlos Santana, 63, die Rente mit 67 anpeilt ("Ich werde mit 67 aufhören zu spielen und nur noch das tun, was ich wirklich will, nämlich Prediger wie Little Richard sein"), voraussichtlich im gemäßigten Klima von Hawaii, stellt Cindy Blackman, 50, in New York ihre Band in memoriam Tony Williams (1945-1997) vor. Nun gut, das Interview ist suboptimal, aber was die Dame am Schlagzeug vorführt, ist exquisit. Die Jazzpolizei ist gespannt, wer am 07.10. bei Santana in der KöPi-Arena zu Oberhausen das Schlagzeug bedient.
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