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Das ist nun wirklich nicht die feine Art, eine an sich schöne Meldung über unsere kleine Welt zu übertiteln: "Jazz und Klassik sind online ansteckend." Hat die FAZ (21.12.11) ein neues Virus entdeckt? Vielleicht einen positiven Bundestrojaner? Nein, sie bringt nur umständlich, wie man es von ihr gar nicht gewohnt ist, die Quintessenz einer amerikanischen Studie auf den Punkt. Kevin Lewis und ein Soziologen-Team an der Harvard University hat über vier Jahre unter College-Studenten untersucht, wie Freundschaften entstehen und welche Funktion Vorlieben bezüglich Musik, Film und Buch dabei zukommt. Sie haben dazu die Facebook-Profile von 1.500 Studenten ausgewertet. Dabei erfuhr zunächst das alte "Gleich und Gleich gesellt sich gern" Bestätigung: Studenten, die eine Vorliebe für bestimmte Musiken und Filme teilen, werden eher zu Freunden bei Facebook. Aber ist man erst einmal befreundet, dann variieren die Geschmäcker nur noch sehr selten. Große Ausnahme: Studenten, deren Freunde auf "Klassischer Musik/Jazz" stehen, sind deutlich eher bereit, dieses Geschmacksmuster selbst auch zu übernehmen. "Die Wissenschaftler glauben, dass dies an dem hohen Ansehen dieser Musikrichtungen liegt", meint die FAZ. Sie bezieht sich dabei auf eine Interpretation von Lewis et al. Kevin Lewis bestätigt (in einer mail an JNE) dieses Zitat und verweist auf eine weitere "Spekulation" über diesen Fund: weil "Klassik/Jazz" als "schwierige Genres" gelten, die zu lieben man lernen müssen, seinen gerade freundschaftliche Beziehungen dazu hilfreich. Für alle die, die es genau wissen wollen: die komplette Studie steht hier. ©Michael Rüsenberg, 2011. Alle Rechte vorbehalten
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