
Traumzeit nach Sauerland
Das Festival existiert seit 1997, es hat eine der coolsten Locations überhaupt, den „Landschaftspark Duisburg-Nord“, wohinter sich die imposante Kulisse eines früheren Stahlwerkes verbirgt.Schon der Titel, seinerzeit eine Verlegenheitslösung, deutet an: es ist kein reines Jazzfestival (wenn es das überhaupt noch irgendwo gibt); neben Zawinul und Corea sind dort auch Nigel Kennedy, Juliette Greco und Laurie Anderson aufgetreten.
2009 wurde der Traumzeit-Gründer Wilfried Schaus-Sahm in der Festivalleitung durch Tim Isfort, Musiker und Komponist aus Moers, abgelöst.
Die großen Knaller blieben auch in der Schlusszeit des Vorgängers aus, was wunder: das Festival hat seit langem Finanzierungprobleme. Das Wort von der „Kulturraubstadt“ (eine Verballhornung von „Kulturhauptstadt“ 2010) macht die Runde, die städtische Streichliste hat Institutionen weit über die lokale Szenekultur hinaus erfasst, darunter die Opern-Gemeinschaft mit Düsseldorf. Frank Jebavy, Leiter des Festivalbüros vom Duisburger Stadtmarketing, wird mit dem Satz zitiert: „Besuchen Sie die Akzente 2012 zu Gerhard Mercator, es könnten die letzten sein!“
So ähnlich sieht es auch für Traumzeit aus; zwar ist der städtische Zuschuss von 40.000 Euro für dieses Jahr gesichert, aber für 2013 nicht, wichtiger noch: im September hat der Hauptsponsor RWE fristgerecht gekündigt, seitdem klafft eine Lücke von 230.00 Euro, das ist die Hälfte des gesamten Festivalbudgets.
Seit Monaten werden deadlines aufgestellt und wieder verschoben, Isfort plädiert - wie andere Jazzaffine in der Stadt -, ein vermehrtes Engagement der vor Ort immer noch vorhandenen Industriellen sowie der Stadt selbst könne auch nach außen hin als positives Zeichen nach Abwahl des OB Sauerland gehört werden.
Ein Honorar bekommt er schon nicht mehr, derzeit ist nur das Wochenende 6.7.-8.7. als Festivaltermin geblockt. Einige Künstler haben bereits abgesagt, die anderen kann er nicht bis ultimo hinhalten, die nächste deadline muss eine Entscheidung bringen - so oder so.
54. Grammy Awards 2012
30. Best Improvised Jazz Solo500 Miles High Chick Corea, soloist Track from: Forever (Corea, Clarke & White) [Concord Records]
All Or Nothing At All Randy Brecker, soloist Track from: The Jazz Ballad Song Book (Randy Brecker With DR Big Band) [Half Note]
You Are My Sunshine Ron Carter, soloist Track from: This Is Jazz (Donald Harrison, Ron Carter & Billy Cobham) [Half Note]
Work Fred Hersch, soloist Track from: Alone At The Vanguard [Palmetto Records]
Sonnymoon For Two Sonny Rollins, soloist Track from: Road Shows Vol. 2 [Doxy/Emarcy/Decca]
31. Best Jazz Vocal Album
The Mosaic Project Terri Lyne Carrington & Various Artists [Concord Jazz]
'Round Midnight Karrin Allyson [Concord Jazz]
The Gate Kurt Elling [Concord Jazz]
American Road Tierney Sutton (Band) [BFM Jazz]
The Music Of Randy Newman Roseanna Vitro [Motéma Music]
32. Best Jazz Instrumental Album
Forever Corea, Clarke & White [Concord Records]
Bond: The Paris Sessions Gerald Clayton [Emarcy/Decca]
Alone At The Vanguard Fred Hersch [Palmetto Records]
Bird Songs Joe Lovano/Us Five [Blue Note]
Road Shows Vol. 2 Sonny Rollins Doxy/Emarcy/Decca]
Timeline Yellowjackets [Mack Avenue Records]
33. Best Large Jazz Ensemble Album
The Good Feeling Christian McBride Big Band [Mack Avenue Records]
The Jazz Ballad Song Book Randy Brecker With DR Big Band [Half Note]
40 Acres And A Burro Arturo O'Farrill & The Afro Latin Jazz Orchestra [Zoho]
Legacy Gerald Wilson Orchestra [Mack Avenue Records]
Alma Adentro: The Puerto Rican Songbook Miguel Zenón [Marsalis Music]
Die Finalisten...
Aber hallo, das wird dem Neuen Deutschen Jazzpreis Reputation zufliegen lassen.Am 10.03. wird das Publikum in der Alten Feuerwache, Mannheim, die Qual der Wahl haben zwischen: Schneeweiss & Rosenrot, Center, einem Piano-Trio aus Hannover und DRA, der abgedrehtesen groove switching Kapelle dieses Landes.
In die Schlussrunde werden sie geschickt von dem diesjährigen künstlerischen Kurator, Django Bates, derzeit mit einer Professur in Bern. Er hat die Finalisten aus dem Votum einer Vor-Jury von 14 Bewerbern ausgewählt.
Der Kurator kann und soll eigene Präferenzen erkennen lassen, im Falle Schneeweiß ist eine auch personell zu erkennen: der Bassist der Combo ist Django´s own bassplayer, Petter Eldh.
antifa Moers
Jammern, so sagte man früher, Jammern ist der Gruß des Kaufmanns.Die lokale Variante in Moers lautet seit Jahrzehnten: "Das Festival muss weg."
Jetzt ist es wieder mal so weit, den jüngsten Anlass bietet ein neues Millionen-Loch im Haushalt der Stadt.
Als er 2005 den Moerser OB Norbert Ballhaus, SPD, (der aktuell in der Vorstufe zu einem Abwahlverfahren steht), zum ersten Male getroffen habe, so Festivalchef Reiner Michalke, habe jener als erstes auf die schwierige Haushaltslage aufmerksam gemacht und ihn gebeten mitzuwirken, den Zuschuss zum Moers Festival zu senken. "Das haben wir dann auch sukzessive umgesetzt", beispielweise durch Reduzierung der Festivaldauer auf drei Tage.
Im selben Interview mit der Rheinischen Post gibt sich Michalke keineswegs empört oder bedrängt durch die wieder aufgewärmten Vorschläge der Opposition ("privatsieren oder abschaffen"). Er argumentiert kommunalpolitisch wohlinformiert, weist auf seine wirtschaftliche Unabhängigkeit hin (..."dass sich woanders eine neue Herausforderung für mich ergeben könnte) sowie darauf, dass bei Einstellen des Festivals "Moers damit von der internationalen Landkarte verschwinden würde."
Der Mann weiss mit seinen Pfunden zu wuchern - und schiesst ein uraltes Argument, neu-lackiert, in die Umlaufbahn, von dem nicht klar ist, wem es auf die Füsse fällt:
"Ich wage einmal die These, dass wenn Zwickau eine Kulturlandschaft wie Moers hätte, würden dort keine Neo-Nazi-Zellen existieren. Eine Stadtgesellschaft, die über 40 Jahre ein internationales, avantgardistisches Jazzfestival unterhält ist immun gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz."
Debatte verschoben
Die Abendstunden mögen gut sein zum Jazzhören - aber nicht zur Debatte über Jazz:Am Donnerstag, 09.02., wollte der Deutsche Bundestag in seiner 158. Sitzung unter Tagesordnungspunkt 10 "Musikförderung durch den Band" beraten.
Die Debatte sollte beruhen auf einer "Grosse Anfrage der Fraktion der SPD" vom 23.02.11 und der Anwort der Bundesregierung vom 29.09.2011.
Durch eine Aktuelle Stunde in derselben Sitzung würde der Tagesordnungspunkt 10, in dem es auch um Jazz geht, so weit in die Abendstunden rücken (eigentlich eine Jazz-affine Zeit), so dass die SPD eine Verschiebung auf Anfang März beantragt hat "Uns ist es wichtiger, die Debatte zu einer guten Zeit im Plenum zu haben, damit das Thema auch wahrgenommen wird, weswegen wir uns dafür entschieden haben, die Debatte auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben", wie es aus der SPD Bundestagsfraktion heisst.
Wer die Zeit nutzen möchte, um sich das in das Thema einzulesen, mit viel Zahlenwerk, kann das hier tun.
Musikbembel an McLaughlin
Die Nominierung dürfte so unumstritten sein wie kaum eine zuvor: John McLaughlin, 70, erhält den Frankfurter Musikpreis 2012.
Er ist der sechste Jazzmusiker (nach Albert Mangelsdorff, 1986, Chick Corea, 1990, Peter Herbolzheimer, 1998, Klaus Doldinger, 2000, Paquito D´Rivera, 2008), der die Auszeichnung erhält.
Sie wird seit 1982 vom Bundesverband der Deutschen Musikinstrumenten-Hersteller e.V. sowie der Messe Frankfurt verliehen und ist mit 15.000 Euro dotiert.
In ihrer Begründung listet die Jury die exemplarischen Stationen dieser großen Karriere minutiös auf, hängt aber ein politisch-korrektes Motiv an, ohne welches ein Jazzmusiker heute offenbar nicht mehr in den Genuß höherer Weihen gelangen kann: sein Werk habe „sich immer durch Respekt und Offenheit gegenüber vielen anderen Richtungen, Ausdrucksformen und Kulturen ausgezeichnet hat, und nicht durch Genregrenzen und Dogmatismus.“ John McLaughlin gehöre zu den Menschen, die man als Weltmusiker bezeichnen könne, so die Jury.
Na denn Prost.
Die 30. Verleihung des Frankfurter Musikpreises findet am Vortag der Musikmesse, am 20.03., statt.