Moers 2013 - das 42. Festival wäre das letzte gewesen, hätten nicht Festivalchef Reiner Michalke (im Bild mit dem 1972 von Han Bennink im Schlosshof demolierten Klavier) und Ulrich Greb, Geschäftsführer der Moers Kultur GmbH sowie Leiter des Schlosstheaters Moers, eine ausrangierte Tennishalle für ihre Zwecke umgedacht. Das 1974 errichtete Bauwerk, gleich neben der Eissporthalle, in den 80ern kurze Zeit die unwürdigste Spielstätte des Festivals, vom Theater Moers bereits für Sonderproduktionen genutzt, soll zu Pfingsten 2014 als Konzertraum mit 2.000 Sitzplätzen zur Verfügung stehen. Die Kosten in Höhe von 2 Mio Euro trägt zu 80 Prozent das Land NRW, den Rest muss die Kultur GmbH übernehmen. 2.000 Zuhörer, das ist deutlich weniger als die Kapazität des bisherigen Zirkuszeltes (2.500), das im übrigen veraltet ist. Eine Alternative in gleicher Grösse und besserer Technik würde das Dreifache an Miete kosten. 2014 wird gespart, dass es quietscht: der Zuschuss der Stadt Moers sinkt erneut um 40 Prozent, nachdem er heuer schon 20 Prozent niedriger war als 2009. Von der Tennishalle, das schwören und schwärmen Michalke und Greb, wird anno 2014 nur noch das halbrunde Dach zu erkennen sein. Drinnen werden alle besser hören und sehen, kein Fotograf, kein Spätkommender den Sitzenden die Sicht mehr nehmen. Der Budenzauber der Fressgass´ wird sich nur noch Ticket-Inhabern erschliessen. Mit anderen Worten: die Szenerie wird sich dramatisch ändern - Camper und Gaffer, die beiden größten Gruppen der Moers Folklore, werden deutlich von den Musikliebhabern entmischt. Sie werden in der neuen/alten Halle nicht die einzigen sein: das ComedyArts Festiival Moers zieht ebenfalls ein; an die vierzig-, fünfzigmal soll sie pro Jahr vermietet werden. Das kann für das Moers Festival nur Gutes bedeuten. Es wird, im übergreifenden Sinne, weniger wetter-abhängig.
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Der Titel ist Programm. Nimm´ Dich in Acht vor Mr. Baker! Am 17. Mai kommt der Dokumentarfilm über den Mann, den einige für den "besten Drummer überhaupt" halten, den Trommler von Alexis Korner, Graham Bond, Cream, Blind Faith, Air Force, den drum-battle-Partner von Art Blakey, in die britischen Kinos: Ginger Baker. Einen kleinen Vorgeschmack des Unflates, den der 73jährige darin auskippt, bekam bei einer Pressekonferenz in London Michael Hann vom Guardian zu spüren, in einer "professionellen Horror Show". Er sitzt, wie ein Video zeigt, einem Mann gegenüber, der offensichtlich mit Vergnügen den Großen Kotzbrocken gibt. Eine gleichsam harmlose Erfahrung, gemessen an der Behandlung, die der Regisseur des Films, Jay Bulger, auf Baker´s Anwesen in Südafrika ertragen musste, als jener erfuhr, dass nicht nur er in dem Film zu Wort kommen werde: er gibt Bulger mit seinem silbernen Krückstock eins auf die Nase, worauf dieser, blutend, sich in seinen Wagen zurückzieht. Der Filmtrailer wirbt damit. Ginger Baker, so sagt ein Schlagzeuger im Film, habe ihn "als Schlagzeuger, nicht als Mensch" beeinflusst. Wohl wahr. Der Film gibt Anlass, beide Rollen in einer Person noch stärker zu differenzieren. Auf der Liste der größten Kotzbrocken nimmt Ginger Baker damit den Spitzenplatz ein, weit vor Stan Getz (1927-1991), über den Wayne Shorter sich einmal gewundert haben soll: "Wie kann ein solches Arschloch so schöne Musik spielen!"
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Das Jazzinstitut Darmstadt hat den Nachlass des Jazzkritikers Wilhelm E. Liefland (1938-1980) aufbereitet. Teile davon sind jetzt auch online zugänglich, z.B. die legendäre Kontroverse mit Joachim Ernst Berendt (1922-2000), ausgelöst durch Lieflands Kritik an Berendts Buch "Ein Fenster aus Jazz". Nachgeborene werden den Anti-Kult um JEB sowieso nicht verstehen; aber um wenigstens in groben Zügen nachzuvollziehen, woran die Altvorderen auch heute noch feixend sich laben, sei durchaus empfohlen, die vier Seiten eines Schreibens von JEB an WEL vom 17.08.1977 aufzurufen. Signale aus einer fernen, fernen Zeit, wo man mit jemandem zu Tische sitzen konnte, der von einem Kollegen als "faschistoid" geführt wurde. Eine Leerstunde in Sachen Jazz-Ideologie. Deutscher Jazz-Ideologie.
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Die Freunde von London Jazz bestätigen unseren Verdacht, dass die German Jazz Trophy sprachlich so english ist wie handy, public viewing und photo shooting, nämlich reichlich teutonisch, also knapp daneben. Im richtigen Englisch hiesse es einfach nur "award", dass dabei auch eine Trophäe überreicht werde, sei "impliziert", vulgo: selbstverständlich. Also, in Stuttgart - der Stadt, die bekanntlich einen greatest son, nämlich Wolfgang Dauner, beherbergt - wird bei der nächsten Jazz Open (einem Festival mit Jazz im Minderheitenstatus) zum 13. Male die German Jazz Trophy überreicht. An Lee Konitz, für sein Lebenswerk. Kopfnicken allerseits, mit einer solchen Entscheidung rennt man offene Türen ein. Sie schliessen sich aber, wenn man den ersten Satz der Begründung hört: "Neben Charlie Parker gilt Lee Konitz als der stilbildende Altsaxophonist des modernen Jazz." Die Auszeichnung wird seit 2001 jährlich von der Kulturgesellschaft Musik+Wort e.V., der Jazzzeitung und der Sparda-Bank Baden-Württemberg verliehen. Der Name leitet sich von der Trophäe ab, gestaltet von dem 2005 verstorbenen Künstler Otto Herbert Hajek. Die Verleihung findet statt am 11.07. im ... Eventcenter SpardaWelt. |
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